TOMI AUTERE, DER SALES-DIRECTOR DES IT-DIENSTLEISTERS INMICS, ÜBER TECHNIK­AFFINE FINNEN, NACHHALTIG BETRIEBENE RECHENZENTREN UND ZU KLEINE T-SHIRTS.

Herr Autere, Finnland gilt als Traumland der Digitaltechnologie. Nirgendwo in Europa fliesst anteilig mehr Geld in Start-ups als hier, Ministerpräsident Juha Sipilä ist ein IT-Manager. Wieso können die Finnen so gut mit Technik?
Das hat bei uns Tradition. Wir Finnen waren schon immer ein Volk von Ingenieuren, wir lieben das Tüfteln und technische Lösungen. Der Erfinder hat hier ein sehr hohes Ansehen – das zieht natürlich eine Menge junge Menschen in diesen Sektor. Auch ich war als Kind auf einer technischen Schule und lernte schon früh, mit Rechnern umzugehen. Und da mein Vater 1989 Inmics gründete, war klar, was aus mir werden würde.

Wie begann die Geschichte von Inmics?
Mein Vater ist Elektriker, er arbeitete in einer Lakritz­fabrik. Das ist ja sehr gross bei uns. Die meisten Ausländer mögen unsere Lakritze aber nicht, sie schmeckt ihnen zu scharf. Mein Vater war schon immer auch sehr interessiert an Computern. So kaufte er Komponenten für Rechner von einem der Vorgänger von ALSO in Finnland. Die Computer baute er dann in meinem Kinderzimmer zusammen. Man kann also sagen, dass Inmics zunächst ein Kin­der­zimmerunter­nehmen war.

Was macht Ihr Konzern heute?
Wir entwerfen und verwirklichen IT-Lösungen für Unternehmen: liefern Rechner an Unternehmen, versorgen sie mit Software, warten die Anlagen. Wir sind ein One-Stop-Shop, wir bieten unseren Kunden alle Services aus einer Hand. Das umfasst auch Server- und Cloud-Dienste. Zu unseren Kunden zählen etwa die Universität von Helsinki, Metallver­arbeiter oder Energiekonzerne. Sie mögen, dass wir immer noch ein Familienunternehmen sind.

Was schätzen die Kunden daran?
Der IT-Markt in Finnland ist dominiert von internationalen Playern, von Grossunternehmen, die viele kleinere Kunden vielleicht etwas abschrecken. Das ist bei uns ganz anders. Heute arbeiten zwar 120 Leute bei uns, und jährlich werden es mehr. Die Kunden aber finden es gut, dass immer dieselben Techniker zu ihnen kommen: Inmics hat ein Gesicht. Auf der anderen Seite fühlt sich Inmics auch an wie ein Start-up.

Wieso?
Wenn einer der Mitarbeiter eine Idee hat, wie etwas besser laufen könnte, kann er jederzeit bei mir klopfen. Dieser Geist ist mir sehr wichtig. Für mich war schon früh klar, dass ich genau in solch einem Unternehmen arbeiten möchte. Schon als 12-Jähriger versuchte ich mich an einem Start-up.

Wie sah Ihre Geschäftsidee damals aus?
Wahrscheinlich darf ich das gar nicht erzählen, aber sei’s drum. Wie alle Altersgenossen stand ich damals sehr auf T-Shirts mit dem Logo grosser Modemarken. Dann fand ich heraus, dass man die in China sehr günstig bestellen kann. Natürlich handelte es sich um Produkt­piraterie. Aber ich bestellte hunderte davon. Nur musste ich dann feststellen, dass die chinesischen Grössen an­de­re sind als bei uns. Fast alle T-Shirts waren zu klein, und ich blieb darauf sitzen. Ich habe heute noch ein paar davon – sie warnen mich vor voreiligen Geschäftsentschei­dungen.

Sie arbeiten seit Jahrzehnten mit ALSO zusammen. Was änderte sich im Lauf der Jahre?
Die Kooperation fing mit Logistik an, wir orderten Rechner, Drucker und Server bei ALSO, und die wurden dann zum Kunden geliefert. Ich erinnere mich noch gut, dass das anfangs über Fax ging, wir sprechen von den frühen 1990er Jahren. Als ALSO dann, ich glaube, es war 1999, den Webstore einführte, war das ein riesiger Umbruch – und schnell wurde ALSO zu unserem wichtigsten Partner.

Inwiefern?
Der grösste Unterschied war: Man sah in Echtzeit, was lieferbar ist – und zu welchem Preis. Dann gab es eine Menge aktueller Angebote, sehr signifikanten Mengenrabatt etwa, das alles war sofort erkennbar. Schnell begriffen wir, dass das die Zukunft ist. Und so wurde ALSO zu unserem wichtigsten Vertriebspartner. Daraus entwickelte sich unsere Zusammenarbeit, und bis heute sind wir sehr glücklich damit.

Was schätzen Sie an ALSO?
Die Stabilität und Verlässlichkeit, die hohe Professionalität. Vor allem aber eröffnet uns der Marketplace ganz neue Möglichkeiten.

Können Sie erklären, wie der Marketplace funktioniert?
Der ALSO Marketplace ist ein digitaler Ort, an dem Händlern die Möglichkeit geboten wird, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. Das alles ist natürlich genau kuratiert, man kann hier kein Obst oder Gemüse verkaufen. Es handelt sich um Waren und Dienstleistungen, die in der IT-Branche nachgefragt werden. Auch kann man auf dem Marketplace sehr übersichtlich Software-Lizenzen erwerben. Das nützen wir etwa, um unsere Kunden mit den neuesten Versionen der Programme auszustatten, die sie benötigen. Sehr sinnvoll ist für uns auch das Angebot von ALSO, Rechner mit vorinstallierter Software zu liefern.

Wie hilft Ihnen dieses Angebot?
Wenn wir zum Beispiel für einen Kunden 15 Work­stations bestellen, können wir bei ALSO auch eine Installation aller wichtigen Programme buchen – die Rechner werden also schon arbeitsbereit zum Kunden geschickt. Auf diese Weise sparen alle Beteiligten Zeit und Geld. Das Gute für den Kunden: Er hat nur uns als Ansprechpartner. ALSO agiert im Hintergrund – und hilft uns auf diese Weise, schneller und effizienter zu arbeiten. Genauso ist es bei den Webshop-Angeboten der ALSO.

Wie funktionieren diese?
Da alle Bestellungen bei uns sowieso über ALSO abgewickelt werden, ist es nur sinnvoll, dass ALSO auch unseren Webshop betreibt. Dieser trägt aber dennoch unser Logo. Auf diese Weise können wir auf ein sehr ausgereiftes Produkt zurückgreifen und sparen es uns, einen eigenen Shop programmieren zu müssen, was viel Arbeit wäre.

Auf dem ALSO Marketplace verkaufen Sie aber auch Ihre Dienstleistungen. Was genau bieten Sie an?
Etwa unsere Cloud-Services. Es gibt viele kleinere Unternehmen, die keine eigenen Rechenzentren haben, ihren Kunden aber dennoch anbieten wollen, deren Daten online zu speichern. Die kaufen sich dann bei uns die entsprechenden Cloud-Lösungen, also etwa Webspace.

Gibt es noch weitere Angebote der ALSO, die sie nutzen?
Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Zukunft im Bereich Financial Services zusammenarbeiten. Einer unserer Boom-Sektoren sind Rechenzentren und Cloud-Services. Diese Anlagen sind sehr, sehr teuer. Hier ist man schnell im Millionenbereich, und ALSO hilft, das umzusetzen – etwa mit Krediten. Bisher haben wir drei grosse Rechenzentren, aber unsere Kunden arbeiten sehr datenintensiv, auch planen wir, nach Osteuropa und ins Baltikum zu expandieren. Es werden also sicherlich mehr. Finnland ist wie gemacht dafür, grosse Server zu betreiben.

Wie meinen Sie das?
Hier herrschen die idealen Bedingungen. Das politische System ist sicher und stabil, es gibt keine Erdbeben. Wir haben genügend bestens geschulte Fachkräfte, die «24/7» dafür sorgen können, dass alles problemlos läuft. Vor allem aber haben wir das richtige Klima für Rechenzentren. Wir können sie sehr energieeffizient betreiben. Die meiste Zeit ist es bei uns sehr kühl. Das nervt zwar viele Finnen, die Serverzentren können aber mindestens sechs Monate im Jahr ohne Kühlung laufen. Auch wird hier längst sehr sinnvoll mit der Abwärme der Anlagen gearbeitet, die etwa für Fernwärme genutzt wird. Die Energieeffizienz der Datentechnologie wird ein immer wichtigeres Thema werden – und wir Finnen können die Server ökonomisch und ökologisch nachhaltig betreiben.